Kultur

In Motovun treffen zahlreiche Kulturmerkmale aus verschiedenen historischen Epochen aufeinander.
Photo: Martin Močibob

Kirche des hl. Stephan

Die Pfarrkirche des hl. Stephan wurde an der Stelle einer älteren Kirche errichtet, die wiederum wahrscheinlich auf Fundamenten einer antiken Basilika erbaut war. Die Legende erzählt, dass in der älteren Kirche im 11. Jahrhundert der istrische Markgraf Enghelbert und Gräfin Matilda begraben liegen. Die heutige Kirche des hl. Stephan wurde von 1580 bis 1614 gebaut, und das jetzige Aussehen erhielt sie erst Ende des 18. Jahrhunderts. Die manieristischen Elemente der vorderen Fassade deuten darauf hin, dass sie nach den Plänen des berühmten venezianischen Architekten Andrea Palladio gestaltet wurde.

Der Glockenturm

Der Glockenturm von Motovun beherrscht die ganze Landschaft im mittleren Lauf des Flusses Mirna; er ist 27 m hoch und wurde im 13. Jahrhundert als wichtigster Beobachtungsturm erbaut. Im Lauf der Jahrhunderte erneuerte man ihn mehrere Male, bis er zum Glockenturm wurde. An seinen Wänden erinnern Inschriften an die Renovierungsarbeiten, und eine Inschrift weist auf die Restaurierung aus dem Jahr 1528 durch den Bürgermeister Giacomo Zeno hin, die über seinem Wappen steht.

Photo: Martin Močibob

Die Stadtmauern

Die ältesten erhalten gebliebenen Stadtmauern von Motovun reichen ins 11. und 12. Jahrhundert zurück, als hohe und starke Wehrmauern, mit Türmen verstärkt, erbaut wurden. Im Lauf des 12. und 13. Jahrhunderts befestigte man zusätzlich die Hauptwehrmauer. Anfang des 15. Jahrhunderts sieht Motovun schon wie eine gotische Festung mit einem neuen Stadttor aus. Während des 16. Jahrhunderts unterbaute man die Festungsmauern noch einmal, und zum Fortifikationssystem kam noch das Kloster der Serviten mit einer neuen Bastei hinzu. Im 17. Jahrhundert wurden die Mauern teilweise nach der Verordnung des Friedensvertrags zwischen Österreich und Venedig niedergerissen.

Photo: Martin Močibob

Der Kommunalpalast

Der Kommunalpalast wurde zum großen Teil im 13. Jahrhundert erbaut, und diente damals, neben seiner öffentlichen Funktion als Rathaus, auch als ein wichtiges Element für die Verteidigung der Stadt. Der Kommunalpalast von Motovun ist das am besten erhaltene öffentliche Gebäude aus der Romanik in Istrien und Kroatien. Obwohl es im Lauf der Jahrhunderte viele bautechnische Änderung erlebte, sieht man immer noch an seiner Westfassade die ursprünglichen romanischen Doppelfenster.

Photo: Martin Močibob

Der Turm

Der Turm, bekannt auch unter dem Namen „Neues Tor“ nach der Inschrift über dem Ausgangsportal, bekam diese Bezeichnung nach der Renovierung im Jahr 1607, zur Zeit des Bürgermeisters Marco Pasqualagio. Der Turm ist mit dem Kommunalpalast verbunden, und dadurch auch mit den Mauern der Zitadelle. Über den Ein- und Ausgangsportalen, den einstigen Stadttoren, wurden Maschikulis (Wurf- und Gussöffnungen) errichtet, von wo aus die Angreifer mit schweren Steinen beworfen, oder mit kochendem Öl oder Wasser begossen wurden.

Die Loggia

Am Josef Ressel Platz befindet sich die Loggia, wo zeitweise der Stadtrat seine Sitzungen abhielt. Von hier aus gab man Bekanntmachungen an die Bürger weiter, die Richter fällten Urteile, aber sie diente auch als Promenade, wo vor Sonnenuntergang viele Generationen der jungen Leute von Motovun zärtliche und schüchterne Blicke voller Sympathie und Liebe austauschten. Als ein öffentlicher Ort wurde die Loggia von Motovun im Jahr 1331 unter dem Namen „Lobia Maior“ erwähnt, doch es ist nicht bekannt, ob sie sich auch an der Stelle der jetzigen, im 17. Jahrhundert erbauten Loggia befand. 

Gradiziol

Am Zugang in den historischen Teil der Stadt befindet sich der Friedhof mit der Kirche der hl. Margareta. Dieser Stadtteil heißt Gradiziol, und entwickelte sich als Vorstadt im Lauf des 14. und 15. Jahrhunderts. Nach Gradiziol kam man durch ein Tor, das sich am Anfang der jetzigen Straße befand. Den nördlichen Zugang zur Vorstadt bewachte eine Reihe von hohen, und teilweise befestigten Häuser, und der südliche Teil wurde vom Graben geschützt. Das heutige Aussehen erhielt Gradiziol im 18. Jahrhundert, zusammen mit einigen wenigen bautechnischen Interventionen im 19. Jahrhundert.

 Photo: Martin Močibob

Kirche der Jungfrau Maria von den Serviten

Beim Zugang zu Gradiziol befindet sich die Kirche der Jungfrau Maria von den Serviten. Diese Kirche ist ein Teil des Klosters, das im 16. Jahrhundert die „Diener Mariens“ bekannt als Serviten, errichtet haben. Neben der Kirche erbauten sie im Jahr 1595 auch ein Kloster, in dem sie bis 1790 wirkten, und errichteten neben der Kirche 1749 einen 15 m hohen Glockenturm. In der Gruft der Kirche befindet sich eine Reihe von Grabstätten der reichen Familien von Motovun. 

Josef Ressel Platz

Die Plattform des Josef Ressel Platzes wurde auf dem Damm zwischen dem Kommunalpalast und der hohen Mauer des zweiten Stadtmauerrings angelegt. Heute ist das ein herrlicher Aussichtspunkt und eine einzigartig schöne Terrasse. Dieser Platz war einst ein wichtiges Kommunikationsglied der Fortifikationen von Motovun, weil er die Barbacane mit der Unterstadt, der Straße Borgo und dem wichtigsten Tor von Motovun verbindet, jenem Tor, der zur Zitadelle, dem ältesten Stadtteil führt. 

Das Haupttor

Vom unteren Teil des Platzes zur Zitadelle, dem ältesten Stadtteil, führt das Hauptstadttor, und durch einen überwölbten Durchgang kommt man zum „oberen Platz“. Ein festes Tor und der hohe Turm, die im 16. Jahrhundert errichtet wurden, garantierten den Bürgern Sicherheit, und versperrten den Feinden den Zugang zur Stadt, während sie dem Volk und den Bauern aus der Umgebung, die mit ihren Holzschuhen über den überwölbten Aufstieg stapften, Ehrfurcht einflößten, und die Bedeutung und Macht der Herrschaft verkündeten, die in der Zitadelle lebte. 

Palast Polesini

Der Palast Polesini stammt aus dem 18. Jahrhundert. Hier lebten Generationen der reichsten Patrizierfamilie aus Motovun, die große Komplexe von fruchtbarem Land auf dem Gebiet von Zamask, Motovunski Novaki und Poreč verwaltete. Vom 18. Jahrhundert an trägt die Familie Polesini den Titel des Marquis, und sie brachte viele angesehene Persönlichkeiten und Gelehrte hervor.  

Borgo

Der Vorort Borgo hat sich im Lauf des 14. Jahrhunderts entwickelt, und war bis zum 17. Jahrhundert von Mauern umgeben, von denen nur Fragmente und das „gotische Tor“ unweit der Kirche des Johannes des Täufers und der Jungfrau Maria vom Tor erhalten geblieben sind. Durch Borgo führt eine Straße hinab, die links und rechts von Wohnhäusern umsäumt ist. Neben den Häusern befinden sich in diesem Stadtteil auch die Kirche des hl. Antonius von Padua und hl. Cyprian, sowie ein Armenhaus bzw. Hospiz. 

Photo: Martin Močibob 

Kirche des hl. Antonius von Padua und hl. Cyprian

Die Kirche des hl. Antonius von Padua war früher dem hl. Cyprian geweiht, und wurde als solche im Jahr 1454 erwähnt. Sie wurde im 15. Jahrhundert erbaut, zusammen mit dem Turm und Tor, die Borgo mit dem Barbacane verbindet; mit Spenden und Votivgeschenken gegen die Pest wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts erneuert. Da der hl. Cyprian als Schutzpatron gegen die Pest angesehen wird, ist es verständlich, dass die ihm geweihte Kirche am Zugang zur Stadt gebaut wurde, um die gefährliche Krankheit von der Ausbreitung in der Stadt zu verhindern.

Das Hospiz

Das Armenhaus oder Hospiz existierte in Motovun noch im Mittelalter, und seit 1331 gab es einen Arzt und Apotheker in der Stadt. Es ist unbekannt, ob gerade an diesem Platz ein Arzt wirkte, aber man weiß, dass das Hospiz 1622 erneuert wurde, und es von einem Arzt verwaltet wurde, der, zusammen mit dem Chirurgen, ein städtisches Gehalt bezog. Die Insassen des Hospizes waren Obdachlose, die in der Stadt und Umgebung bettelten, während sie im Hospiz nur übernachteten und das erbettelte Essen zubereiteten. 

Kirche es hl. Johannes des Täufers und Jungfrau Maria vom Tor

Die Kirche wurde 1521 an der Stelle einer früheren Kirche außerhalb der Stadtmauern vor dem Zugang zu Borgo, direkt am gotischen Tor errichtet, und im Jahr 1898 baute man einen 15 m hohen Glockenturm an. In der Mitte der Kirche steht ein Altar mit Stufen und einem Gemälde der Jungfrau Maria mit dem Kind, die gerade an dieser Stelle, der Legende nach, auf einem Maulbeer-Feigenbaum erschienen sein soll, genau wie der biblische Zachäus. 

Bekannte Persönlichkeiten

Mario Andretti

Der berühmte Autorennfahrer Mario Gabriele Andretti wurde am 18. Februar 1940 in Motovun geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte er nach Italien, und 1964 bekam er die amerikanische Staatsbürgerschaft. In den Jahren 1965, 1966, 1969 und 1984 siegte er beim Cart-Champcar Rennen, und 1969 entschied er für sich das 500-Meilen-Indianapolis Rennen. Im Jahr 1978 wurde er Weltmeister der Formel 1 mit dem Lotus Ford Rennwagen.

 

Andrea Antico da Montona

Der Komponist, Verleger, Grafiker und Drucker Andrea Antico wurde um das Jahr 1480 in Motovun geboren, und starb in Venedig nach 1540. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Andrea in Venedig und Rom, wo er auf vielen Gebieten sehr erfolgreich war. Er ging als der älteste bekannte Komponist auf dem ganzen Gebiet der heutigen slawischen Region in die Geschichte ein, dessen Kompositionen gedruckt wurden.

 

 

Josef Ressel  

Josef Ressel, Förster und Erfinder, wurde am 29. Juni 1793 in Chrudim, Tschechei geboren, und starb in Ljubljana am 9. Oktober 1859. In Motovun lebte und wirkte er von 1835 bis 1843. Berühmt wurde er nach seinem ersten erfolgreichen Experiment bei der Anwendung eines Schiffspropellers. Neben der Schiffschraube hinterließ Ressel noch etwa 30 weitere technische Erfindungen. Als Marineforstintendant war er für die Gewinnung von Holz für die Kaiserliche Kriegsmarine im Wald von Motovun verantwortlich.

 

Vladimir Nazor

Vladimir Nazor (1876 – 1949) machte Motovun mit seiner allegorischen Erzählung „Veli Jože“ berühmt. Dieses Werk wurde 1908 veröffentlicht und wurde dermaßen populär, dass der Riese Veli Jože bis auf den heutigen Tag das Symbol Motovuns geblieben ist.

 

Miroslav Šutej

Einer der größten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestaltete in seinem Haus in Motovun im Lauf des Jahres 1990 das Wappen und die Flagge der Republik Kroatien. Die Stiftung „Miroslav Šutej“ präsentiert in der Galerie Pet kula (fünf Türme) eine Dauerausstellung seiner Werke, mit gelegentlichen Ausstellungen anderer renommierter Künstler.